24.10.14 – 7.12.14,

Cally Spooner: The Overall OOOOH

Wir freuen uns, THE OVERALL OOOOH, die erste Einzelausstellung der britischen Künstlerin Cally Spooner (*1983, UK) in Deutschland präsentieren zu dürfen.

Cally Spooner setzt sich mit der Ausrichtung von Sprache an marktkonforme Standards auseinander. Sie reflektiert die Auswirkungen, die zunehmende Technisierung und Automatisierung der Sprache in der Mediengesellschaft auf die Formierung von Verhaltensmustern und Identitäten und der Kommunikation im Allgemeinen hat.

THE OVERALL OOOOH inszeniert die Verflechtung von medienwirksamer Manipulation der Sprache, der Anpassung des Verhaltens an medientechnische Erfordernisse und die Umformierung von Subjektivität zur marktkonformen Ware als umfassende und monströse Produktion. Der Fokus liegt dabei auf (Werbe-)Strategien, die Personen zu Statthaltern von Unternehmen machen, im Umkehrschluss, Unternehmen als Personen erscheinen lassen und somit eine abstrakte technische Produktionsmaschinerie „vermenschlichen“.

THE OVERALL OOOOH präsentiert den neuen Film Off Camera Dialogues (2014) als Teil einer raumgreifenden Kulisse. Die Arbeit, eine komplette Neuproduktion für den Kunstverein Langenhagen stellt eine weitere Komponente Spooners laufenden Spielfilmprojekts** dar.
Ein besonderer Dank geht an Giles Round für die Hilfe bei der Entwicklung des Kulissenbaus.

Mit THE OVERALL OOOOH spielt Cally Spooner die zur Produktion marktkonformer Kommunikation nötige Maschinerie aus. Der Film Off Camera Dialogues (2014) versammelt Szenen eines fiktiven Werbedrehs. Die textliche Grundlage bilden reale Interviews, die Cally Spooner während eines Praktikums in einer Werbeagentur mitgeschnitten hat und einem geläufigen Muster der strategischen Markenkommunikation folgen: Mitarbeiter_innen eines Unternehmens werden in Interviews gebeten, Erfahrungen im Arbeitsalltag zu beschreiben. Im Anschluss daran werden diese Texte von professionellen Texter_innen zu medienwirksamen Botschaften zurechtgestutzt, um sie schließlich mit den Mitarbeiter_innen für die Kamera einzustudieren.
Die filmischen Sequenzen fokussieren Momente, die normalerweise nicht zu sehen sind. Sie zeigen die Anpassungsschwierigkeiten, die der Schauspieler an „seinen“ Text und „seine“ Rolle hat. Immer wieder sind Korrekturen und Anweisungen an einschlägige Rhetoriken durch den sog. Interviewer aus dem Off zu hören.
Irritationen des Schauspielers werden in den Gesten offenkundig, doch setzt Cally Spooner die Tonspur leicht asynchron zum filmischen Bild und verhindert damit eine einfache Identifizierung von Sprache und Geste. Gesangseinlagen und zunehmend formalisierte Gesten rücken die Sequenzen im Laufe des knapp siebenminütigen Films mehr und mehr in Richtung einer Musicalhaften Persiflage.

Cally Spooner beschreibt so eindringlich wie humorvoll die allgegenwärtige Konditionierung auf den Leerlauf einer auf standardisierte Formeln verkürzten Sprache, aber auch den Verlust des Erinnerungsvermögens infolge der Auslagerung der Gedächtnisleitungen an digitale Speichermedien, ohne eine unbeteiligte Außenposition innerhalb der aktuellen umfassenden Sprachformierung durch Techniken der Massenkommunikation zu reklamieren.
**Spooners Film ist die abstrahierte Dokumentation of And You Were Wonderful, On Stage ein live Muscal,das vom Stedelijk Museum im April 2013, in Auftrag gegeben und produiziert wurde, und u.a. von Performa 13, New York und der Tate Modern, London koproduziert wurde .

Cally Spooner war zuletzt in Einzelausstellungen und Präsentationen u.a. in der Tate Modern London, Stedelijk Museum, Amsterdam, Kunsthal Charlottenburg, Kopenhagen, Performa 13, New York (2013); IPS, Birmingham, ICA, London, (2012); Hermes und der Pfau (2011). Gruppenausstellungen umfassen u.a. im Wysing Arts Centre, Cambridge, Centre d’Art Contemporani de Barcelona, Kestnergesellschaft, Hannover (2014), Kunstverein München , KW Institute for Contemporary Art Berlin, Jeu De Paume, Paris (2013), Serpentine Gallery, London (2012).

Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2014