25.11.12 – 3.2.13,

Christian Haake: Echoes

Christian Haake baut mit akribischer Präzision Modelle alltäglicher Objekte und Räume. Die verführerische Virtuosität, mit der er die kleinsten Details ausführt, verleitet zunächst dazu, die Miniaturen oder etwa lebensgroßen Installationen für »bare Münze« zu nehmen und in ihnen einfache Dopplungen der Realität zu erblicken. Doch schleicht sich bald eine gewisse Irritation ein, die durchaus beabsichtigt den ersten Eindruck korrigiert. Denn Haake ist nicht der perfekten Nachbildung auf der Spur. Vielmehr entstehen alle Arbeiten aus dem Gedächtnis des Künstlers, als Nachbilder, die feine Abweichungen, Fehler im System aufweisen.

Beim Bau der Modelle verzichtet Haake auf jedwede Vorlage, die eine Vermessung und damit eine maßstabsgetreue Übersetzung ermöglichen würde. Einzig die Erinnerung dient als Vergleichsgröße und beschreibt die zentrale Kategorie seiner künstlerischen Arbeit. »Wirklichkeitsspiele« hat Thorsten Jantschek Haakes Arbeiten genannt, Versuchsfelder, die die Möglichkeit eröffnen, unser Verhältnis und unsere Wahrnehmung zu den Dingen zu befragen. Denn der »Realismus« der Haakeschen Modelle verdankt sich der produktiven Kraft von Erinnerung und fußt auf der Erkenntnis, dass Erinnerung Wahrnehmungsprozesse zutiefst beeinflusst und strukturiert. Haakes Interesse an Erinnerungsarbeit gilt dem fortlaufenden Rekonstruktionsprozess, bei dem Lücken, Risse und Leerstellen des Vergessens mit verschiedenen Beobachtungen aufgefüllt und Realitäten somit sachte verschoben werden.

Neben Objekten und Installationen umfassen Haakes Arbeiten auch Zeichnungen, Filme und Fotografien, die sich sich der alltäglichen Lebenswelt und häufig geläufigen Architekturen (halb-)öffentlicher Räume widmen. Sie knüpfen an kollektive Erinnerungsbilder an und werden zu melancholischen Bestandsaufnahmen der »Unwirtlichkeit der Städte«. Dabei verzichtet Haake auf jede effekthascherische Inszenierung des Unheimlichen. Seine Arbeiten machen vielmehr, wie Janneke de Vries schreibt, die Erfahrung der »Fremdheit des Alltäglichen« möglich. Im Kunstverein Langenhagen realisiert Christian Haake neue Arbeiten für die Ausstellungsräume.

Christian Haake (*1969 in Bremerhaven) lebt und arbeitet in Bremen. Er studierte Kunst an der HfK Bremen und Kunstwissenschaft und Philosophie an der Universität Bremen. Er erhielt den Bremer Kunstpreis (2007), den Preis des Freundeskreises der HfK Bremen (2009) sowie den Paula Modersohn Becker Preis (2010) und das Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds (2011). Seine erste institutionelle Einzelausstellung fand 2011 in der GAK, Gesellschaft für Aktuelle Kunst in Bremen statt. 2012 Einzelausstellungen im Kunstverein Ruhr und in Langenhagen. Haake war an zahlreichen Gruppenausstellungen und Projekten beteiligt, u. a. Künstlerhaus Bremen, Cuxhavener Kunstverein, Riga Art Space und Arthur-Boskamp-Stiftung sowie »Nordlichter – 84. Herbstausstellung niedersächsischer Künstler« des Kunstvereins Hannover.

Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2012
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2012