Delia Jürgens: Bawarih Rift – Part I (Viscous Pixel)
Globalisierte Kommunikationsnetzwerke und die massenhafte Verbreitung digitaler Technologien verändern Kommunikations- und Wahrnehmungsformen rasant. Delia Jürgens (*1986 ) begreift die fortschreitende Entwicklung der neuen Kulturtechniken als Grundlage und integralen Bestandteil ihrer künstlerischen Praxis. Sie setzt sich u.a. mit der Verbreitung und Verarbeitung von Bildern, der Gestaltung von Nutzeroberflächen, der Funktion sozialer Netzwerke und den Ökonomien im World Wide Web auseinander. Der Wechsel zwischen digitalen und analogen Arbeitstechniken ist dabei fließend: Oberflächen, Objekte, raumgreifende Installationen entstehen im Austausch und als (Rück-)Übersetzungen zwischen virtuellen wie physischen Realitäten und manifestieren sich in beiden.
Die Ausstellung Bawarih Rift – Part I (Viscous Pixel) folgt der Logik der Verflechtung des Virtuellen und Physischen und stellt Kollaborationen mit anderen Künstlern und verschiedene Formate künstlerischer Arbeit vor.
Illusion/Abbild, der verschwommene Moment – der Titel Bawarih Rift – Part I (Viscous Pixel) nimmt u.a. Bezug auf Bawarih, den heißen Nordwind im mittleren und nahen Osten, der der Sage nach zu Wahrnehmungsstörungen führen kann. Im lang gestreckten Ausstellungsraum breitet Delia Jürgens farbig bedruckte PVC- und Papierbahnen aus. Sie bilden den Untergrund für Applikationen aus Teppich, Laminat und Glas. Mit arabischer Ornamentik, künstlichen Holzfurnieren, semitransparenten und spiegelnden Flächen setzt Delia Jürgens Akzente auf dem malerischen Untergrund. Ausgewählte Massenprodukte wie Schlafmasken, Perlenvorhänge, Energy-Tabletten, etc. treten hinzu. Zum Teil überzieht Delia Jürgens diese Produkte mit neu gestalteten Oberflächen und nutzt sie als Bildträger. Aus der Überlagerung und in den Zwischenräumen der Elemente entstehen visuelle Eindrücke, die zwischen Nah- und Fernsichten oszillieren und Horizontlinien verschieben. Referenzen aus unterschiedlichen Kulturen und Milieus überlagern sich zu mehrdimensionalen Wahrnehmungs- und Bildräumen und reflektieren Standards der (Re)Präsentation im Zeitalter umfassender Bilderflut.
Zusammen mit Per Mertens entwickelt Delia Jürgens حليب (website www.halib.biz) als Plattform zur Veröffentlichung gemeinsamer Arbeiten. Der Name حليب entstand in freier Assoziation aus den arabischen Worten خليل (khalil) = Busenfreund und غالب (ghalib) = Sieger und bedeutet Milch. Im Rahmen der Ausstellung Bawarih Rift – Part I (Viscous Pixel) veröffentlicht حليب (re)presentational Suite mehrere Editionen. Diese Editionen können während der gesamten Laufzeit direkt im Kunstverein und auf der Webseite www.halib.biz/price erworben werden. Via Touchscreen haben Besucherinnen und Besucher auch in der Ausstellung Zugriff auf www.halib.biz.
Am Eröffnungstag finden Konzerte von geladenen Gästen im Rahmen der حليب (re)representational Suite statt.
Delia Jürgens studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Abschluß Diplom bei Frances Scholz (2014) und Szenografie an der Hochschule Hannover. Stipendien / Studienaufenthalte in Los Angeles USA (2013) und Mexico City, New Mexico, New York (2012). Bawarih Rift – Part I (Viscous Pixel) ist Delia Jürgens erste Einzelausstellung in Deutschland.