28.5.04 – 11.7.04,

Helmut & Johanna Kandl: HAUS DER FRAUEN

In der Erstaufführung zeigt das international bekannte österreichische Künstlerpaar Helmut & Johanna Kandl (Berlin/Wien, 1953/1954) im Kunstverein Langenhagen ihren Film "Haus der Frauen", A/D, 24 Min. Dazu wurde der Kunstverein als Kino inszeniert.

Das Projekt entstand als Neuproduktion im Rahmen des Jahresprogramms des Kunstvereins Langenhagen unter Verwendung von Filmmaterial, das für das Projekt "an/sammlung-an/denken", kuratiert von Cornelia Meran, entstand. Unter dem Titel "Die verborgene Tat" untersucht das Jahresprogramm unsere Wahrnehmung von Dingen, deren vermeintliche Wahrheit hinter einer sichtbaren Oberfläche verborgen liegt oder zumindest dort vermutet wird. Verborgene Taten dienen hierbei als Fallbeispiele für unsere Wahrnehmung, die sowohl durch die Medien, soziale und politische Machtstrukturen, als auch individuelle Geschichte geprägt ist.

Die Ausstellung "Haus der Frauen" thematisiert die Wunschvorstellung, eigene individuelle Geschichte und soziale Herkunft zu verschleiern, um damit Fragen nach der tatsächlichen Vergangenheit gar nicht erst aufkommen zu lassen. Am Beispiel einer attraktiven neureichen Russin dokumentiert der Film die Erfindung einer neuen Identität. Dabei stellt das Projekt die Frage, was tatsächliche Identität eigentlich bedeutet. Was heißt eigentlich Wahrheit, wenn vermeintliche Wahrheiten scheinbar echt produziert werden können? In ihrem Projekt reflektieren Helmut & Johanna Kandl auch ihre eigene Rolle als Künstler bei der Produktion von neuen Realitäten.

Einzelne Aufnahmen des Films "Haus der Frauen" erinnern an Szenen aus bekannten Spielfilmen einer anderen Zeit. Um aber den Eindruck von größerer Echtheit zu vermitteln, wurden ganz bewusst Stilmittel von Amateurfilmern eingesetzt. Die Handlung lässt Assoziationen zu einem Familiendrama aufkommen. Der Tatort, eine Gründerzeitvilla, könnte an vielen Orten stehen, die Aufnahmen in vielen Ländern entstanden sein. Mit dem Blick des neugierigen Voyeurs verfolgen wir die Geschehnisse vor dem Haus und ziehen aus ihnen unsere Schlüsse. Erst später wird uns ein Blick hinter die Fassade erlaubt. Wir werden zwar über die angeblichen Hintergründe des Films aufgeklärt, dennoch bleibt die Frage, welche Wahrheit uns darin tatsächlich gezeigt wurde, unbeantwortet.

Helmut Kandl, als Fotokünstler, und Johanna, die als Malerin zu den erfolgreichsten österreichischen Künstlerinnen zählt, arbeiten seit 1997 gemeinsam an Projekten, in denen sie konkrete gesellschaftliche Fragen behandeln: Zentrales Thema ist die Frage, wie sich durch politische Umwälzungen Gesellschaften neu gründen und dadurch das Bewusstsein der Menschen neu geprägt wird. Ihr Interesse gilt dabei überwiegend den Frauen in gesellschaftlichen Randzonen und in Ländern, die sich im Umbruch befinden, wie etwa in Osteuropa nach dem Zerfall des Ostblocks. "

Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2004
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2004
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2004
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2004