Kunsthalle 3000* - Ein Ort für dringende Bedürfnisse
Pinkeln ist eine – essentielle – biologische Funktion, die einer starken sozialen Kontrolle unterworfen wurde. Aber diese Kontrolle zu halten, ist für manche schwieriger als für andere. Für viele Menschen ist das Verschwinden öffentlicher Toiletten ein enormes Problem. Ältere Menschen oder schwangere Frauen haben beispielsweise nicht den Luxus einer starken Blase. Sind Sie kein Mann (der in der Lage ist, seine „öffentlichen Toiletten“ an zahlreichen Orten im öffentlichen Raum zu finden) oder im perfekten Gesundheitszustand, ist es kaum vorstellbar, welche mentale Energie es erfordert, ständig damit konfrontiert zu sein, dass die nächste Toilette nicht länger als fünf Minuten entfernt sein sollte.
Als (symbolische) Antwort auf diesen Mangel und das Verschwinden öffentlicher Toiletten verwandelt die Kunsthalle3000 eine Toilette im Kunstverein Langenhagen in eine freie, öffentliche Toilette. Ein Schild an der Außenwand kündigt diesen neuen Service des Kunstvereins an und bietet einen Ort für diejenigen, die dringend mal müssen. Eine kleine Skulptur mit dem Titel Eine Ecke zur Erleichterung im Ausstellungsraum ist der Gegenpart zu diesem neuen Angebot: Es handelt sich um die abmodellierte Form von Langenhagens beliebtester Pinkelecke. Ein „Anti-Denkmal“ der von Männern dominierten Sphäre des öffentlichen Urinierens, die zumeist auch auf einen Mangel öffentlicher Toiletten zurückgeht.
- Kunsthalle3000 ist ein Projekt des deutschen Künstlers Thomas Geiger, der für ein Jahr Gast des Kunstverein Langenhagen ist. Als Intervention innerhalb der Institution des Kuntvereins erzeugt die Kunsthalle3000 in diesem Jahr eine Reihe von Situationen, die sich an der Schnittstelle zwischen institutionellem-, privatem- und öffentlichem Raum befinden.