Philipp Kremer - Soft People
In Philipp Kremers Gemälden sind Inhalt und Form konfliktträchtig, ebenso die Interaktion zwischen beiden. Seine formale Herangehensweise scheint oft dem Motiv zu widersprechen, zum Beispiel wenn er Farben per Zufall wählt um eine utopische Gemeinschaft darzustellen, oder wenn er eine Orgie so malt als sei das Bild abstrakt und monochrom. Während fast alle seine Motive, seien es Mädchen und Pferde, Kommunen, Weinen oder Sex, soziale Situationen darstellen in denen als solche Machtverhältnisse immer eine Rolle spielen, werden diese in der neuesten Serie Soft People in den Vordergrund gestellt.
Nachdem Gatherings Gruppen von Menschen in harmonievoller Ausübung sexueller Aktivitäten zeigte, werden in Soft People physische Gewalt und Dominanz thematisiert. Zwei, allenfalls drei oder vier Körper interagieren in ungleichen Machtverhältnissen, in einem weitgehend undefinierten Kontext. Ausgeführt in hellen Farben mit leichten Gesten auf weißer Leinwand, erscheint der Stil spielerisch, als bestehe er fast darauf, den freudigen Aspekt der Malerei hervorzuheben.
Die Provokation dieser Bilder liegt in der Frage, warum Gewalt und Leichtigkeit zusammengebracht worden sind. Wenn die Entscheidung, etwas darzustellen bedeutet dass man dieser Sache eine gewisse positive Bedeutung gibt, und etwas zu malen bedeutet, dass man gefühlsmäßig darauf eingeht, wie ist es dann möglich, etwas schmerzhaftes zu darzustellen, ohne irgendwo in dem Prozess Spaß zu haben? Daher müssen die Bilder mit Freude gemalt werden, und Künstler und Betrachter finden sich in der widernatürlichen Situation, das Freudige und das Schmerzliche gleichzeitig konfrontieren zu müssen.
Philipp Kremer (*1981) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der Universität der Künste Berlin bei Professor Georg Baselitz (2000-2004) und an der Rijksakademie in Amsterdam (2011-2012). Aktuelle Einzelausstellungen hatte er unter anderen in der Galerie Nicodim, Los Angeles und Bukarest; Kazachenko’s Apartment, Oslo; Apice for Artists, Amsterdam und Galerie Lena Brüning, Berlin. In 2013 erhielt er die Königlichen Preis für Freie Malerei. In 2014 erhielt er das Stipendium für etablierte Künstler des Mondriaan Fonds.