10.12.10 – 6.2.11,

Sofie Thorsen: Leuchtend Grau

Im Jahr 2009 konnten wir bereits zwei Arbeiten der dänischen Künstlerin Sofie Thorsen (* 1971) in der Gruppenausstellung „Forschungsstation Sozialer Raum“ vorstellen. Thorsens Interesse gilt zeitgenösssichen architektonischen, sowie stadt- und landschaftsplanerischen Phänomenen. Die häufig langfristig angelegten Projekte umfassen mehrteilige Arbeiten innerhalb eines sich weiter entwickelnden Interessenfeldes. Allen Arbeiten gehen umfangreiche ortspezifische Feldforschungen voraus. Es gelingt ihr so verdeckte historische, ökonomische und soziokulturelle Implikationen zu erschließen.

Ausgangspunkt der Einzelausstellung Leuchtend Grau ist ihr jüngster Film „The Achromatic Island“ (2009), den sie auf der dänischen Insel Fur drehte. Neben der Darstellung des Landschaft der durch die für alle Industriestaaten typischen Tendenzen von „Landflucht“ einerseits und Zersiedelung durch Förderung von Gewerbeansiedlung und Tourismus anderseits geprägt ist, etabliert Thorsen, einen spezifischen Blick: Ihr schwarz/weiß Film versucht der bis in die 30er Jahre auf Fur verbreiteten, erblichen Farbenblindheit, ein filmisches Äquivalent zu geben.

Anhand eines Interviews mit einem Achromotopsie Betroffenen und Zitaten aus einschlägiger Literatur nähert sich Thorsen dieser spezifischen Wahrnehmungsform, die mit einer extremen Lichtempfindlichkeit, verringerter Sehschärfe und umfassender Farbenblindheit einhergeht. Mittels Aufnahmetechnik und –material unternimmt sie den Versuch einer Übersetzung in Bilder. Es gelingen ihr Aufnahmen von großer Intensität. Lange Einstellungen kombiniert mit Textpassagen und Fotografien loten verschiedene bildliche Versuchsanordnungen aus. Die facettenreiche Annäherung gerät zum „konzeptuellen Sehtest“, der Grenzen von Kommunikation und Darstellbarkeit unterschiedlicher Wahrnehmungen aufzeigt.

Im Kunstverein Lagenhagen entwickelt Thorsen eine neue räumliche Präsentationsform für den Film und entwickelt ihr Projekt weiter: in der Ausstellungshalle wird sie den ursprünglich 20minütigen Film als Rauminstallation in drei Sequenzen geteilt simultan auf drei Projektionswänden präsentieren. Dazu wird der Film umgeschnitten, neue einführende Sequenzen zugefügt, die ursprünglich englischen Untertitel und Texttafeln ins Deutsche.

Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010
Installationsansicht Kunstverein Langenhagen, 2010