24.8.24, 16:00,

Vortrag und Gespräch zur Ästhetik des Asozialen

Im Rahmen von Wie wir einander weiter/mehr/nicht begegnen

Über das eigentümliche Verhältnis einer nach wie vor bürgerlich geprägten Gegenwartskunst zu den ärmsten Gesellschaftsschichten und sich daraus ergebenden Fragen. Mit Steffen Zillig (Künstler, Hamburg).

Kein Mensch ist asozial. Aber es gibt Verhältnisse, die es sind. Bilder solcher Verhältnisse sind selten in der Kunst der Gegenwart – auffallend selten. Warum ist das so? Und welche Qualitäten entwickeln diejenigen Fotografien, Videos und Installationen, die sie trotzdem zum Thema machen? An ausgewählten künstlerischen Arbeiten untersucht Steffen Zillig die Darstellung von Armut in der zeitgenössischen Kunst und geht ebenso wichtigen wie unangenehmen Fragen auf den Grund: Warum sind die Lebensverhältnisse der untersten Gesellschaftsschichten so selten Gegenstand von zeitgenössischer Kunst? Und wenn sie es doch einmal sind: Wie werden sie präsentiert? Welche Herausforderungen und Ambivalenzen sind damit verbunden? Darf ich diese Kunstwerke interessant finden – vielleicht sogar schön? Oder ist das zynisch? Steffen Zillig behandelt in seinem Vortrag an der Schnittstelle von Kunstwissenschaft, Philosophie und Soziologie das eigentümliche Verhältnis einer nach wie vor bürgerlich geprägten Gegenwartskunst zu jenen Menschen, die am äußersten Rand der Gesellschaft stehen. Dieser kann daher auch als ein kritischer Beitrag zur aufkeimenden Debatte um Klasse und »Klassismus« gelesen werden und diskutiert darüber hinaus das Verhältnis zwischen künstlerischer Autonomie und etwaigen moralischen Verpflichtungen künstlerischen Schaffens. Eine Spurensuche jenseits abgesicherter Diskurse, welche auf sozialer Exklusion basierende Mechanismen des Kunstbetriebs aufdeckt und etablierte Verhaltensmuster in Frage stellt.